Artikel über den Wert von Heilpraktikern Haben Heilpraktiker überhaupt einen gesellschaftlichen Wert?

Die Ablehnung der Naturheilkunde, speziell der Homöopathie als unwirksame Therapie, wie von Herrn Burmeister mit viel Polemik kolportiert, wirft doch die Frage auf: Was hat die Arbeit der Heilpraktiker/innen in Deutschland überhaupt für einen Wert für die Gesellschaft?

Symbolbild Quelle: Archiv

Eine Naturheilpraxis wird ohne Kassenzulassung geführt. Ohne diese Verdienstgarantie wird sie somit durch die Patienten einzig nach ihrem Erfolg bewertet. Man geht zu Heilpraktikern, weil man Gutes von ihm/ihr gehört hat. Die Patienten haben in der Regel verschiedene Ärzte aufgesucht, die hatten also ihre Chance und haben sie nicht genutzt. Die Heilpraktiker/innen in Deutschland behandeln also die relativ aussichtslosen, oder medizinisch austherapierten Fälle. Fälle, die kein Arzt mehr haben möchte. Und das tun sie fast ausschließlich mit „wirkungslosen“ Therapien wie auch Akupunktur, Kräutermitteln, Osteopathie, Chiropraktik, Eigenblutbehandlungen und vieles andere mehr.

Es kann ja schon passieren, dass ein Orthopäde sie nicht mal anfasst, sondern gleich röntgt und danach Ibuprofen verordnet, also dass nicht einmal die Zuwendung entsteht, die eigentlich das Grundprinzip medizinischer Versorgung darstellt: die körperliche Untersuchung. Den Kampf um Massagen, Krankengymnastik und andere Physiobehandlungen kennt auch jeder Patient. Aber dort würde ihnen wohl wenigsten geholfen.

Fast jede Arztpraxis ist überlaufen. Gute, fleißige Ärzte bestraft das System, faule, desinteressierte werden belohnt. Es ist zu wenig Zeit für den Einzelnen, Patienten werden zum Teil abgewiesen. Eine Studie in den neunziger Jahren hat errechnet, dass eine Erfolgsquote von 80 Prozent erforderlich ist, um ein florierendes Dienstleistungsgeschäft zu betreiben – 80 Prozent Erfolg also, ohne Kassenzulassung und mit völlig nutz- und wirkungslosen Therapien, wie zum Beispiel der Homöopathie? Völlig unmöglich. Das schafft kein Placebo-Effekt. Der liegt bei einigen wenigen Krankheiten im günstigsten Falle bei 70 Prozent.

Was ist eigentlich eine wirkungslose Therapie? Wenn man einen Virusinfekt (über 90 Prozent aller „Erkältungskrankheiten) mit einem Antibiotikum behandelt, würde ich das als wirkungslos bezeichnen. Selbst Kniespiegelungen wirken meistens als Placeboeffekt, also auch eine nutzlose Therapie? Die Kassen zahlen aber alle diese nutzlosen und dabei aber auch noch schädlichen Therapien. Antibiotika verschlechtern die Immunabwehr, schädigen die Darmflora und erhöhen das Krebsrisiko, und sie machen Keime resistent, wie die „bösen Krankenhauskeime“ (wie MRSA), die die Schulmedizin so überhaupt erst erschuf. Die Komplikationen einer Kniespiegelung sind bekannt.

„Das wird schon wieder!“ Dieser Satz gilt heute bei den meisten nichts mehr. Notaufnahmen klagen, dass besorgte Patienten mit einer banalen Schnittwunde im Finger, einem Zeckenstich oder einer Magenverstimmung auftauchen. Daher sind wir wohl auch Weltmeister im „zum Arzt-Gehen“. Die Naturmedizin fördert eben jene Selbstheilungskräfte, die bewirken, dass „es schon wieder wird“.

„Homöopathische Mittel enthalten gar nichts!“ Ist das so? Wenn die homöopathischen Tropfen eine Farbe haben, einen Geruch, einen Geschmack, dann enthalten Sie sehr wohl etwas. Adrenalin ist ein lebensrettendes Notfallmedikament bei Schockzuständen. Es wird in einer „homöopathischen“ Verdünnung von 1:10.000 in die Vene gespritzt und zwar sehr langsam unter Pulskontrolle, weil es sonst tödlich sein kann. Das ist eine homöopathische D4! Das Klima Gas CO2 soll angeblich die Atmosphäre aufheizen. Die Konzentration wird in „ppm“, also „parts per million“ gemessen. Ein Teil Arznei auf eine Million andere Teile, zum Beispiel Wasser und Alkohol wäre die homöopathische D6.

Als Ulla Schmidt als Gesundheitsministerin die Homöopathie mit allen anderen rezeptfreien Arzneien aus dem Leistungskatalog gestrichen hatte, sanken die Kosten für Arzneimittel nicht etwa, sondern sie stiegen in der Folge direkt an. Statt „sanfter Medizin“ wurden wieder „harte Drogen“ verordnet, und die sind nicht billiger, sondern teurer – und sie machen die Menschen oft genug krank. Jetzt wird auf Kulanz das eine oder andere Homöopathikum erstattet. Da droht natürlich der finanzielle Kollaps des Gesundheitssystems. Kopfschütteln ist ja gut für die Halswirbelsäule und nicht nur Donald Trump sorgt dafür reichlich.

Ein bisschen mehr Demut würde unserem gesamten Medizinbetrieb wirklich guttun. Nicht das Geschäft, sondern der Patient sollten im Mittelpunkt stehen. Der Mensch ist keine Maschine, sondern ein hochkomplexer Organismus aus Körper, Seele und Geist. Wer Placebo belächelt, sollte besser gar keine Menschen behandeln. Wenn es keine Heilpraktiker mit ihren „wirkungslosen Therapien“ mehr gäbe, sähe es richtig übel für die Menschen in Deutschland aus, das sagen uns jedenfalls unsere dankbaren Patienten jeden Tag!

Axel Jacobs

Niedernwöhren